BEFREIUNG/Sandor Marai/D/E/I


Das ist der St. Elisabeth-Dom in Kosice/M.Ramsauer

Das ist der St. Elisabeth-Dom in Kosice/M.Ramsauer

Zusammenfassung mit Wortschatzliste auf Deutsch/Summary with wordlist in English/Riassunto in tedesco con lista di vocaboli in italiano: Sandor Marai

Wie ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, bin ich vor Kurzem in der Slowakei und Kosice, der Europäischen Kulturhauptstadt 2013, gewesen und habe dort zum ersten Mal von Sandor Marai gehört, der dort geboren wurde. Sandor MaraI lebte und studierte dann in verschiedenen europäischen Ländern und kehrte 1928 als Journalist nach Ungarn zurück. Er erlebte die Belagerung von Budapest  selbst mit und verarbeitet mit seinem Buch „BEFREIUNG“ die Geschehnisse dieser schrecklichen Zeit.

Die Hauptstasse in Kosice/M.Ramsauer

Die Hauptstasse in Kosice/M.Ramsauer

Als letzte Woche eine liebe Bekannte zu mir kam und mich bat ein Buch zu lesen, das sie sehr bewegt hatte und die starken Emotionen gerne mit jemandem teilen wollte, war das für mich eine grosse Freude und ich begann das Buch gleich zu lesen. Ich muss zugeben, dass dessen Inhalt dann auch für mich schwer ertragbar war. Die Geschichte beginnt und endet am 3. Januar 1945, als Erzsébet, die Hauptperson, eine 23jährige Frau, den Luftschutzkeller verlässt. um zu ihrem Vater, dem Astronomie-Professor zu gelangen, der auf der gegenüberliegenden Strassenseite mit Hilfe des Sabbatariers eingemauert ist, weil er den Juden geholfen hat und sich daher vor den Deutschen verstecken muss.

Alles, was während dieser Belagerung passiert scheint eine Ordnung zu haben, an die sich die Menschen in den Luftschutzräumen schnell gewöhnen. Der ohrenbetäubende Lärm der Bombradierungen, die dröhnenden Flugzeuge, die Menschen, die beim Wasserholen von Granatsplittern getroffen  werden, das Warten, das Rufen oder die Angst, all das wiederholt sich in einem gewissen Rhythmus und wird somit alltäglich.

Gässchen in Kosice/M.Ramsauer

Gässchen in Kosice/M.Ramsauer

Die Bedeutung des Wortes „Heimat“ ändert sich fortlaufend und der Raum, auf den sie sich bezieht wird immer enger (Seite 71) und die Menschen erkennen, dass sie Raum und Zeit während der Belagerung anders verspüren als in Zeiten des Friedens. Gegen Ende der Belagerung sind die betroffenen Menschen

noch wenige Meter vom Krieg getrennt.  Für sie ist der Tag zur Nacht geworden. Die Gefahr wird zum einzigen Lebenssinn. Die Kellerbewohner stellen sich Fragen, und suchen nach Antworten,  wie z.B. worauf  sie denn eigentlich warten, ob vielleicht darauf, dass der Jude unter ihnen verraten wird und dass sie dann Verantwortung für dessen Tod übernehmen müssen oder dass die Russen kommen und Freiheit bringen?

Wenn ich lese, wie diese Menschen  ohne Worte, also schweigend  und mit dem Körper miteinander sprechen und sich versprechen, dass sie zueinander halten, friert es mich. Auch wenn Erzsébet meint, dass es nicht ausreiche anders zu denken, dass man auch darnach handeln müsse, dann weiss ich, dass sich seither nichts geändert hat.

Erzsébet, die mit dem gelähmten Professor spricht, möchte wissen, was die Befreiung bringen wird und, wie die Russen sind. Voltaire soll gesagt haben, dass nur die glücklich sind, die keine Sehnsüchte haben. (S.134) Die junge Frau glaubt und hofft auf jeden Fall, dass das Leiden die Menschen anständiger macht, worauf der Professor antwortet, dass das ein Kinderglauben sei. Schliesslich glaubt sie auch, dass die Welt durch die Liebe verbessert werden könne. Der Professor gesteht zu, dass die Liebe ein wichtiger Faktor sei, dass aber auch diese vergänglich sei und dass die Freiheit nur zu erreichen sei, indem der Mensch seine eigene Natur akzeptiere und ertrage.

Am Schluss sind nur noch der Professor und Erzsébet im Keller, als ein russischer Soldat mit Maschinengewehr im Keller erscheint und die junge Frau auf  sehr schmerzhafte Weise erfährt, dass es trotz deren Ankunft keine äussere Freiheit geben wird, höchstens die innere.

Dieses Buch, das ich sicherlich nicht als leichte Strandlektüre empfehlen kann, ist mir sehr unter die Haut

gegangen,d.h. es hat mich emotional tief bewegt.

4 replies »

  1. Liebe Martina,
    ich finde alle Romane von Sandor Marai sehr lesenswert. Schön, dass du ihn hier vorgestellt hast, das hat er auch verdient.
    Liebe Grüße von der Küste Norfolks
    Klausbernd

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    • Guten Morgen Klausbernd, deine Worten freuen mich sehr und ich fühle mich
      auch gleich angespornt ein weiteres Buch von Sandor Marai zu lesen.
      Momentam lese ich jedoch noch einen spannenden Krimi “Tantes Tod” und
      A Tale of Love and Darkness that touches me very much.
      I wish you a pleasant and less hot Sunday in Norfolk than here.
      Very best regards Martina

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    • It is a very nice surprise to get positive news from Finland. Many thanks. Slovacchia is really worthwhile a trip because many of the towns or villages have been restructured with Europe’s help, I think. I will also visit your blog. I wish you a very good day. Martina

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